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Ideen und Impulse zur Unterrichtsgestaltung

KI im Fremdsprachenunterricht

Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnet neue, spannende Möglichkeiten für den Fremdsprachenunterricht. Doch bei aller Begeisterung stellen sich viele Lehrkräfte die Frage: Wie können diese Technologien sinnvoll und nachhaltig in den Unterricht integriert werden?
Warum KI?
KI-gestützte Tools bieten uns die Chance, den Fremdsprachenunterricht individueller, effizienter und oft auch kreativer zu gestalten. Sei es durch personalisierte Lernangebote, automatische Korrekturen oder innovative Kommunikationsformate – KI kann Lehrekräfte entlasten und Lernende motivieren.
Doch der Einsatz von KI ist keine Zauberei. Es geht nicht darum, uns als Lehrkräfte zu ersetzen, sondern vielmehr darum, eine wertvolle Unterstützung zu bieten. KI kann Routineaufgaben übernehmen, während wir uns auf das konzentrieren, was im Unterricht wirklich zählt: die Förderung von Sprachkompetenz, kulturellem Austausch und zwischenmenschlicher Kommunikation.

Erste Schritte mit KI – Keine Angst vor Neuem!

Vielleicht fragen Sie sich: Wo fange ich an? Wie viel technisches Know-how brauche ich? Die gute Nachricht: Viele KI-Tools sind intuitiv zu bedienen und speziell für den Bildungsbereich entwickelt. Plattformen wie Fobizz, ChatGPT oder Canva können eine große Hilfe sein – sei es für die Lehrkraft zur Vorbereitung der Stunden, zur Gestaltung von unterstützenden Materialien und Medien, für autogeneriertes Feedback oder für die Schüler:innen zur Vokabelarbeit, zur Unterstützung ihres Schreibprozesses oder für die Simulation von Gesprächen.
Folgende (kostenfreie) Tools haben sich bewährt:

  • ChatGPT (versteht Texteingaben/ Prompts in natürlicher Sprache und produziert Antworten zu verschiedensten Themen. Dabei kann das KI-Tool nicht nur Fragen beantworten, sondern auch Texte erstellen, zusammenfassen, umschreiben, korrigieren und übersetzen und vieles mehr)
  • ScholarGPT (ist eine spezielle Anwendung von GPT , die  sich darauf konzentriert, akademische und wissen-schaftliche Aufgaben zu unterstützen. Scholar GPT ist auf den Einsatz in akademischen Kontexten ausgerichtet und bietet fortschrittliche Funktionen für die Verarbeitung, Analyse und Erstellung wissenschaftlicher Texte und Inhalte.)
  • Gamma (erstellt Präsentationen von 8-10 Folien zu erstellen und diese als pptx herunterzuladen. 400 kostenlose Coins entsprechen 10 Präsentationen; weitere Coins können durch Produktempfehlung generiert werden)
  • Canva (kann mit Hilfe der eingegebenen Prompts Bilder/ Videos/ SocialMedia-Formate etc. erstellen, 25 pro Tag sind kostenlos)
  • Perplexity-AI (Perplexity kann als Chatbot genutzt werden, der das Internet nach relevanten Informationen durchsucht und die entsprechenden Quellen dazu anzeigt. 5 Prompts pro Tag sind kostenfrei.)
  • FelloFish (vormals: fiete; erstellt nach Vorgabe von Aufgabenstellungen, eingegebenen Materialien und Kriterien schriftliches Feedback auf Schüler:innenarbeiten, auch in verschiedenen Sprachen, 150 Feedbacks sind kostenfrei)
  • Fobizz (vereint alle oben genannten Funktionen und weitere, z.B. Arbeitsblattgenerator, auf einer Plattform; jeweils 5 Prompts sind frei)

Praxisbeispiel: KI in der Schreibförderung

Eine der häufigsten Herausforderungen im Fremdsprachenunterricht ist das Schreiben von Texten. KI-Tools wie ChatGPT können hier eine wertvolle Unterstützung sein. Selbstverständlich sollen die Schüler:innen nicht den Text selber mit KI erstellen (= der bequeme Weg -> Kompetenzsimulation), sondern ihren Schreibprozess mit Hilfe der KI gestalten (= der etwas unbequemere Weg -> Kompetenzerwerb). Die Dokumentation und gemeinsame Reflexion über diesen Prozess sollte unbedingt Teil des Arbeitsprozesses und ggf. auch der Bewertung sein, um ebendies offenzulegen.
Themenspezifische Schreibaufgaben mit KI:

  1. Vorbereitung: Wählen Sie ein Thema aus, das zu Ihrer Unterrichtseinheit passt, z. B. „Mein Traumurlaub“, “A Day in the Life of a Superhero”, „L’avenir de la technologie”, „Si yo fuera presidente por un día”, „Il mio libro o film preferito e perché”.
  2. Schreiben ohne KI-Unterstützung: Die Lernenden formulieren zunächst eigene Sätze oder Absätze, ggf. zunächst auch klassisch als Pen&Paper-Variante, ohne externe Hilfsmittel. Gleichsam sollten sie die Stärken und Schwächen ihres Textes selbst (bzw. in Peerevaluation) einschätzen, um Ideen für die spätere Prompteingabe zu generieren. Hierbei ist darauf zu achten, dass möglichst detailliert gearbeitet wird, d.h. Aussagen wie „Der Text ist sprachlich schlecht.” helfen später nicht weiter, eher Aussagen wie „Die Verben sind möglicherweise falsch konjugiert.” oder „Ich wiederhole viele Wörter, weil ich nicht ausreichend Vokabeln kenne.” Sollten die Schüler:innen Probleme haben, die eigenen Stärken und Schwächen im text zu benennen, empfiehlt sich ein Format, bei dem die gesamte Klasse und die Lehrkraft involviert sind, z.B. das anonyme Posten der Texte in einem gemeinsamen geteilten Dokument, auf dem alle die Texte lesen und kommentieren können. Hier kann zusätzlich die Variante eines mündlichen Feedbacks (z.B. per vocaroo.com) eingefügt werden, um neben dem Schreiben auch Hörverstehen zu schulen.
  3. Schreiben mit KI-Unterstützung: Mit Hilfe von ChatGPT können die Lernenden dann ihren Text und zusätzlich die im Vorfeld erarbeiteten Kriterien eintippen. Wichtig ist, dass nicht alle Kriterien gleichzeitig eingegeben werden und dass eingefordert wird, dass ChatGPT jeweils Erläuterungen (auf deutsch) hinzufügt. Außerdem sollten die Schüler:innen darauf hingewiesen werden, dass sie, sollten sie Verbesserungen oder Kommentare der KI nicht verstehen, gezielt nachfragen bzw. Alternativen einfordern. Neben der Kommunikation mit ChatGPT sollte zudem eine handschriftliche Version des verbesserten Ursprungstextes verfasst werden.
  4. Feedback-Runde: Diskutieren Sie gemeinsam im Klassenverband, welche Verbesserungsvorschläge besonders hilfreich waren (und welche nicht) und warum. Dies fördert nicht nur das Wissen über Sprache und Spracherwerbsstrategien, sondern auch die kritische Auseinandersetzung mit Sprache und der KI.
  5. Weiterentwicklung: Die Lernenden reichen der Lehrkraft alle Lernprodukte ein: den Ursprungstext, Screenshots der Kommunikation mit der KI, den verbesserten Text sowie eine kurze Reflexion des Arbeitsprozesses.


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