Apeil 2026
Alternative Prüfungsformate mit KI
Künstliche Intelligenz eröffnet im Fremdsprachenunterricht neue Möglichkeiten, was die Gestaltung von Klassenarbeiten und Tests betrifft. Im Rahmen der bildungspolitischen Vorgaben können Formate entwickelt werden, die authentische Kommunikation, individuelle Rückmeldungen und echte Lernprozesse statt bloßer Reproduktion fordern und fördern.
Der Einsatz von KI ist dabei kein Selbstzweck, sondern pädagogisch begründet: Lernende erhalten während der Produktgenese differenziertes Feedback, können ihre Fortschritte reflektieren und werden gezielt in ihrer kollaborativen und kommunikativen Handlungsfähigkeit gestärkt. Gleichzeitig entlastet KI Lehrkräfte an der ein oder anderen Stelle und schafft Raum für persönliche Förderung.
Hinweis: Die folgenden Vorschläge beinhalten nicht unbedingt das klassische Klassenarbeitssetting (d.h. alle Schüler:innen bearbeiten zur gleichen Zeit, mit den gleichen Hilfsmitteln das gleiche Material), sondern oftmals sind bestimmte Schritte Vorarbeit zum eigentlichen schriftlichen Produkt.
1.) Schreibaufgaben mit KI-Reflexion
-> Schüler schreiben ohne Hilfsmittel einen Text
Danach:
-> beschreiben sie ihre eigene Einschätzung ihrer Leistung (z.B. mit Kriterienraster)
-> lassen sie ihre Texte von KI (z.B. LeChat) analysieren
-> vergleichen das KI-Feedback (schriftlich!) mit ihren eigenen Einschätzungen
👉 Die prozessorientierte Bewertung sollte beinhalten:
- Sprachrichtigkeit
- Inhalt
- Reflexionsfähigkeit („Warum ist das falsch/unpräzise/unklar/irreführend?“)
Tipp: klare Phasierung -> Wann ist KI erlaubt, wann nicht? -> ggf. zwei Räume nutzen
2.) Hörverstehen mit adaptiven KI-Tools
-> KI (z.B. NotebookLM) generiert individuelle Hörtexte auf passendem Niveau (-> Prompting!).
-> Verständnisfragen werden dynamisch angepasst.
-> Durchführung: individuelles Anhören mit Kopfhörer und eigenem Gerät in einer bestimmten Phase (-> genaue Zeitvorgabe!)
👉 Vorteile:
- Differenzierung: Jeder bekommt ein passendes Niveau
- weniger „Abschreiben“, aber mehr Individualisierung möglich
Bewertung:
- Schüler:innen wählen ihr eigenes Niveau: z.B. niedriges Anspruchsniveau = 8 Punkte erreichbar; mittleres Anspruchsniveau = 12 Punkte erreichbar; hohes Anspruchsniveau = 12 Punkte + 5 Punkte erreichbar
- D.h. das mittlere Niveau sollte von allen erreicht werden, schwächere Schüler:innen können die Aufgabe aber trotzdem lösen und verlieren nicht so viele Punkte als wenn sie die Aufgabe gar nicht oder mit sehr vielen Fehlern machen.
3.) KI als Prüfungsgegner („Debatte“)
-> Lernende diskutieren mit einer KI über ein Thema (vgl. Teachback)
-> Ergebnis ist z.B. ein dreiseitiger Ausdruck des Chatverlaufs
Bewertungskriterien:
- Argumentationsfähigkeit, Struktur, Pointierung
- Wortschatz
- Reaktionsfähigkeit (bei mündlichen Prompts)
👉 Besonders geeignet für höhere Niveaus (B1–C1)
Tipp:
- initialen Prompt vorgeben (z.B. durch Forking bei ChatGPT)
4.) Portfolio-Prüfungen mit KI-Unterstützung
-> Lernende sammeln über einen Projektzeitraum hinweg Aufzeichnungen, Interimsprodukte, Reflexionen
Tipps:
- Ein geteiltes Dokument in Zumpad erlaubt die zeitliche Rückverfolgung der Beiträge sowie Kommentieren im Chat durch die Lehrkraft
- KI-Einsatz muss entsprechend dokumentiert werden und wird ebenso bewertet (copy&paste vs. „Intelligente“ Nutzung)
KI hilft bei:
- Strukturierung
- Selbsteinschätzung, Weiterentwicklung
👉 Bewertung wird prozessorientierter statt punktuell
5.) Fehleranalyse-Aufgaben (metasprachlich)
-> KI generiert fehlerhafte Texte (auf unterschiedlichen Niveaustufen)
Lernende müssen:
- Fehler finden
- korrigieren
- erklären
👉 Vorteile:
- Sehr effektiv für Grammatikverständnis und Wortschatzarbeit
- Kann gut vorbereitet werden
- Ein Mischen von Schüler:innentexten und KI-Texten kann spannend sein