März 2026
Peerfeedback im Swap Lab
Das mündliche Vortragen von angefertigten Texten der Schüler:innen im Plenum wird oftmals (von Lernenden ebenso wie von Lehrkräften) als abzuhakende Pflichtaktivität (✓ hab die Hausaufgabe gemacht ✓ hab mich gemeldet ✓ hab fehlerfrei vorgetragen) wahrgenommen. Der Lerneffekt dabei - sowohl für den Vortragenden als auch für die Zuhörenden - ist meist eher gering, denn der Fokus liegt häufig auf korrekter Aussprache und Intonation, ggf. noch auf sprachlicher Richtigkeit, meist aber nicht (zumindest nicht vertiefend) auf Inhalt und Struktur, insbesondere, wenn es um längere Texte bzw. komplexere Formate geht. Spätestens nach dem zweiten Vortragenden schwinden Aufmerksamkeit und Konzentration. Ebenso ist fraglich, ob und wie mit den (meist mündlich) angemerkten Kommentaren zum Text umgegangen wird.
Das Swap Lab ist eine kooperative Lernmethode, die Peerfeedback systematisch in den Schreibprozess integriert: Die Schüler:innen tauschen ihre Texte anonym aus und vergleichen mehrere Versionen zu unterschiedlichen Kriterien. Dadurch wird der Fokus vom individuellen Produkt auf zentrale Merkmale gelungener Texte gelenkt, etwa die Auswahl und Präsentation von Informationen und Argumenten, die Strukturierung von Inhalten und sprachliche Prägnanz.
Das Swap Lab unterstützt somit eine vertiefte Auseinandersetzung mit Textqualität und regt die Überarbeitung eigener Texte auf Grundlage von konkreten Rückmeldungen an.
Wie das Swap Lab funktioniert
1. Texte verfassen und Anonymisieren
Die Schüler:innen verfassen die gewünschten Texte. Damit sie anonym genutzt werden können, tippen sie diese (zu Hause) ab. Alternativ können handschriftliche Versionen auch von KI transkribiert werden (z.B. mit PDFGuru oder PDFLeader).
2. Hochladen
Anschließend laden die Lernenden ihre Versionen auf eine geteilte Leinwand (z.B. taskcards.de) hoch. Hier kann die Lehrkraft ggf. im Vorfeld Strukturierungen vornehmen, z.B. nach Inhalten (wenn verschiedene Quellen zugrunde liegen), nach Textformat (wenn unterschiedliche Anforderungsbereiche gefordert waren) oder eine Tabelle, in die die Schüler:innen ihre eigenen Texte nach bestimmten Kriterien (z.B. komplett fertig, teilweise fertig, unfertig) einsortieren. Die Anwendung kann zunächst so eingestellt werden, dass die Lernenden lediglich ihre eigenen Objekte verändern und bewegen können, nicht die der anderen.
3. Einlesen und Kommentieren
Aufgabe der Schüler:innen ist es, in einem bestimmten Zeitfenster (z.B. 25 Minuten), jeweils immer zwei Texte vergleichend in Bezug auf ein Kriterium zu lesen. Die Kriterienliste kann von der Lehrkraft vorgegeben bzw. in der Klasse gemeinsam erarbeitet und ebenfalls auf der geteilten Leinwand veröffentlicht werden. Wichtig ist, dass immer zwei Texte vergleichend gegenübergestellt werden (aber nur mit Blick auf dieses eine Kriterium).
Sobald die Lehrkraft die Kommentarfunktion freigegeben hat, können die Schüler:innen ein knappes Feedback zu ihren Erkenntnissen jeweils unterhalb des Textes formulieren, ebenfalls anonym.
Variante: Die Lernenden arbeiten im Tandem, tauschen sich nach der Lektüre aus und verfassen gemeinsam das Feedback.
4. Gemeinsame Reflexion
Um die gesammelten Ergebnisse nicht einfach unreflektiert stehenzulassen, bietet sich ein pointiertes Plenumsgespräch an. In diesem wird das Peerfeedback der Schüler:innen zum Ausgangspunkt genommen, um über die jeweiligen Texte zu sprechen (und nicht umgekehrt!). So wird das Feedback der Lernenden wertgeschätzt, ebenso aber auch die ursprünglichen Texte (und zwar möglichst viele, da ja nicht alle einzeln vorgetragen werden müssen, sondern nur in Ausschnitten betrachtet werden).
Startpunkte für die Besprechung könnten z.B. sein:
- Ein Text mit ausschließlich positiven Kritiken
- Ein Text ohne Kritiken
- Ein Text mit mehreren gleich lautenden Aspekten im Feedback (-> Originaltext einsehen und ggf. gemeinsam Verbesserungen vorschlagen)
5. Überarbeitung
Nach der gemeinsamen Reflexion sollte sich eine Überarbeitungsphase anschließen, in der sich die Schüler:innen des gegebenen Feedbacks bedienen und individuell ihre Texte anpassen. Ggf. kann dazu ein (mit der Lehrkraft) geteiltes Dokument (z.B. zumpad oder cryptpad) genutzt werden, um der Lehrkraft zusätzlich die Möglichkeit zur individuellen Unterstützung anzubieten.